OpenClaw, Copilot und der Unterschied zwischen persönlichen Werkzeugen und Unternehmensplattformen
Am Wochenende hab ich mit OpenClaw gespielt. Skills gebaut, einen Graz-Assistenten erstellt (wer will kann ihn auf ClawHub ausprobieren: nach “grazy” suchen), geschaut was geht. Gerade tüftle ich an einem Tagebuch-Skill, der zusammenfasst was am Tag so alles passiert ist in den Chats mit Openclaw und das zusammen fasst und festhält. Und das Bauen selbst passiert einfach im Telegram-Chat mit OpenClaw, auf der Couch, nebst Netflix. Ich hab vor über 25 Jahren mit TurboPascal angefangen, was hier gerade passiert, war 1998 Sience Fiction.
Seit dem ZIB2 Interview (quasi unsere Tagesschau) mit dem OpenClaw Erfinder haben sich einige Verwandte und Bekannte gemeldet. “Du machst ja sowas mit AI, oder?” Und ich merk, dass in der ganzen Aufregung eine Einordnung fehlt.
OpenClaw ist ein persönlicher Agent. Läuft lokal, auf meinem Rechner, für mich. Peter Steinberger hat das bei Armin Wolf auch genau so gesagt. Ein OpenSource Projekt, das explodiert ist. Keine Enterprise-Lösung. Und er war ehrlich: wer die Risiken nicht versteht, soll lieber noch warten oder mit wenig Schlaf rechnen, spreche aus Erfahrung.
Microsoft Copilot ist was anderes. Nicht besser, nicht schlechter, aber es verfolgt einen komplett anderen Ansatz. Copilot ist kein Tool das man irgendwo installiert. Es lebt in dem System, in dem eine Organisation schon arbeitet. Outlook, Teams, SharePoint, die Berechtigungen, die Governance, die Daten. Es es handelt im Kontext meiner Arbeit und hat damit auch andere Zugänge, aber muss ganz anderen Ansprüchen gerecht werden.
Die Unterscheidung die ich für wichtiger halte als jeder Feature-Vergleich: persönliches Werkzeug vs. Unternehmensplattform. OpenClaw, ChatGPT, Claude. Großartige Werkzeuge für meine eigene Produktivität. Und es wird immer Platz geben für Expertensysteme über den Microsoft Tellerrand hinaus, das war schon immer so und wird bei AI nicht anders sein.
Aber wenn ich überlege wie 500 oder 5.000 Leute in einer Organisation produktiver werden, braucht es was das in der bestehenden Infrastruktur lebt. Das Governance versteht. Das man ausrollen und steuern kann. Und klar, jeder große Hersteller wird irgendeine Form von Agent Management bauen. Ob alle den Charme von OpenClaw mitgehen, lokal, offen, ungebremst, das bezweifle ich. Enterprise und “unhinged” vertragen sich einfach schlecht.
Wenn ich das vergleiche mit Copilot Studio oder Declarative Agents im Moment, dann ist OpenClaw mit seiner Offenheit und den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten für jeden Tinkerer natürlich ein Traum. Aber genau das ist der Punkt. Ich nehm an das sind alles schon Vorwehen für die Microsoft AI Tour in München nächste Woche, die gerade in meinem Kopf herum sausen. Vermutlich bereite ich mich unbewusst auf die “Aber Copilot kann das nicht” Fragen vor. Oder eigentlich, mit diesem Post hier, schon ganz bewusst.


