Microsoft 365 E7 und Agent 365 -- das neue Lizenzmodell verstehen

Microsoft 365 E7 und Agent 365 -- das neue Lizenzmodell verstehen

Microsoft 365 E7 und Agent 365 – das neue Lizenzmodell verstehen

Am 9. März hat Microsoft den größten Lizenz-Umbruch seit E5 im Jahr 2015 gebracht. Ein brandneues Tier – Microsoft 365 E7, vermarktet als “The Frontier Suite” – plus ein eigenständiges Produkt namens Agent 365, das Governance für AI Agents einführt. Ich hab die letzten zwei Wochen damit verbracht, das mit Kunden durchzuarbeiten, und die Reaktionen reichen von “endlich eine einzige SKU” bis “Moment, schon wieder eine Preiserhöhung?”

Beides ist berechtigt. Lass mich durchgehen was sich tatsächlich geändert hat, was es kostet, und was es für die Leute bedeutet, die Lizenzentscheidungen treffen müssen – oder auf diesem Stack entwickeln.

E7: Die Frontier Suite um $99 pro User pro Monat

Microsoft 365 E7 bündelt vier Dinge in eine SKU:

  • Microsoft 365 E5 – die volle Produktivitäts-, Sicherheits- und Compliance-Suite
  • Microsoft 365 Copilot – der AI-Assistent in Word, Excel, PowerPoint, Outlook, Teams und mehr
  • Microsoft Entra Suite – Private Access (VPN-Ersatz), Internet Access (Secure Web Gateway), Identity Governance mit Lifecycle Workflows und Verified ID
  • Agent 365 – die neue Control Plane für die Governance von AI Agents in der Organisation

General Availability ist der 1. Mai 2026.

Wenn du alles einzeln kaufen würdest, schaust du auf rund $117 pro User pro Monat (E5 um $57, Copilot um $30, Agent 365 um $15, plus Entra Suite). Das E7-Bundle spart dir ungefähr 15-17% gegenüber Einzelpreisen.

Das ist ein echter Rabatt, besonders bei großem Volumen. Aber es sind auch $99 pro User pro Monat. Für ein Unternehmen mit 5.000 Plätzen verpflichtest du dich zu fast $6 Millionen pro Jahr. Das ist eine Entscheidung die sorgfältig modelliert werden muss.

Warum jetzt ein neues Tier

Microsoft hat seit über einem Jahrzehnt kein neues Enterprise-Tier eingeführt. E5 kam 2015 (ursprünglich als Office 365 E5, später in Microsoft 365 E5 übergeführt). E1 und E3 gibt es noch länger. Also warum jetzt?

Zwei Gründe, beide ziemlich offensichtlich.

Erstens haben sich die AI-Produkte vervielfacht. Copilot allein war schon ein $30-Add-on. Agent 365 kommt mit weiteren $15 dazu. Die Entra Suite Capabilities sind gewachsen. Add-ons auf E5 zu stapeln wurde unübersichtlich und schwer zu verkaufen. Eine einzige SKU vereinfacht Beschaffungsgespräche enorm.

Zweitens – und das ist der Punkt den Microsoft nicht laut sagen wird – die Copilot-Adoption war schleppend. Stand Q2 FY2026 gibt es rund 15 Millionen bezahlte M365 Copilot Seats. Das klingt beeindruckend bis du merkst, dass es über 450 Millionen Microsoft 365 User gibt. Das sind etwa 3,3%. Die meisten Enterprise-Deployments sind immer noch Piloten oder Phasen-Rollouts, kein flächendeckender Einsatz. Copilot in ein Premium-Tier zu bündeln, wo es “gratis” mit den Security- und Governance-Tools kommt, die CISOs tatsächlich wollen? Das ist ein schlauer Weg, Copilot in mehr Hände zu bringen, ohne Budget-Verantwortliche bitten zu müssen, $30/User/Monat rein auf Produktivitätsgewinne zu rechtfertigen, die sie kaum messen können.

Agent 365: die Control Plane für AI Agents

Agent 365 ist der Teil dieser Ankündigung, der meiner Meinung nach unterschätzt wird. Es ist standalone verfügbar um $15 pro User pro Monat (GA 1. Mai), oder im E7 inkludiert.

Hier ist das Problem das es löst. Organisationen bauen und deployen AI Agents – in Copilot Studio, mit dem Agents SDK, über Third-Party-Tools. Diese Agents greifen auf Daten zu, führen Aktionen aus und operieren mit unterschiedlichem Grad an Autonomie. Aber bisher gab es keinen einheitlichen Weg zu sehen, welche Agents existieren, worauf sie zugreifen können und ob sie den Organisationsrichtlinien entsprechen.

Agent 365 gibt dir eine Registry – im Grunde ein zentrales Inventar jedes Agents in der Organisation, intern oder Third Party. Darüber hinaus erweitert es Entra Conditional Access und Identity Policies auf Agents mit eigenen Agent IDs und Lifecycle Management. Du bekommst Dashboards und Telemetrie über die gesamte Agent-Flotte, plus einen Interoperability Layer, damit Agents gleich funktionieren egal wo sie gebaut wurden. Die Security-Seite hängt an Microsoft Defender für Threat Detection und Microsoft Purview für Compliance-Auditing.

Stell es dir vor als Entra plus Defender plus Purview, aber für Non-Human Identities die zufällig AI Agents sind. Wenn deine Organisation es ernst meint mit dem Deployment von Agents im großen Stil, brauchst du sowas. Die Frage ist ob $15/User/Monat der richtige Preis ist, oder ob das in E5 hätte einfließen sollen.

Copilot Cowork: die Anthropic-Connection

Im Copilot-Erlebnis gebündelt (und damit Teil von E7) ist Copilot Cowork – das Headline-Feature der gleichen Ankündigung vom 9. März. Cowork ist Microsofts Schritt von konversationeller AI-Assistenz zu agentischer AI-Ausführung, und es wird in Partnerschaft mit Anthropic unter Verwendung von Claude gebaut.

Was Cowork interessant macht: Es kann eine Aufgabe übernehmen, sie in Schritte zerlegen, über mehrere M365-Apps hinweg ausführen und im Hintergrund für Minuten oder Stunden laufen. Du beschreibst das Ergebnis das du willst, und Cowork plant und führt aus – mit Checkpoints wo du reviewen, anpassen oder pausieren kannst.

Es läuft in einer Sandboxed Cloud-Umgebung innerhalb deines M365 Tenants, was bedeutet, dass Enterprise Data Protection, Identity und Compliance-Policies standardmäßig gelten. Cowork ist derzeit im Research Preview mit limitierten Kunden und wird breiter verfügbar über das Frontier-Programm Ende März 2026.

Für Entwickler ist der Multi-Model-Aspekt relevant. Copilot in E7 unterstützt jetzt sowohl OpenAI-Modelle als auch Anthropics Claude. Microsoft hedged ganz klar seine Modell-Strategie – und gibt sich die Möglichkeit, Tasks an das Modell zu routen das für ein bestimmtes Szenario am besten performed. Wenn du Agents oder Extensions baust die mit Copilot arbeiten, erwarte dass das zugrunde liegende Modell zum Implementierungsdetail wird statt einer festen Konstante.

Der EU-Elefant im Raum

Es gibt hier ein Problem, über das meiner Meinung nach viel zu wenig geredet wird. Anthropics Claude-Modelle sind nicht von Microsofts EU Data Boundary abgedeckt. Die gesamte Claude-Verarbeitung passiert aktuell in den USA – Anthropic hat keine EU-Datenzonen. Das heißt, deine M365-Daten verlassen die europäische Grenze, wenn Copilot einen Task an Claude routet.

Für Organisationen die unter der DSGVO operieren oder strenge Anforderungen an die Datenresidenz haben, ist das ein echtes Hindernis. Microsoft hat Anthropic als Subprocessor unter ihrem DPA hinzugefügt, aber das ändert nichts am physischen Standort der Verarbeitung. Bei manchen EU-Tenants sind die Anthropic-Modelle seit Jänner 2026 standardmäßig aktiviert, was mehr als ein paar Compliance-Teams kalt erwischt hat.

Microsoft will hier offensichtlich schnell vorwärts kommen – und ich versteh das, der Wettbewerbsdruck von Google und anderen ist real. Aber als Europäer sitzen wir hier und warten darauf, dass Anthropic EU-basierte Infrastruktur aufbaut, bevor das Ganze für viele Organisationen tatsächlich compliant nutzbar ist. Ein Zeitplan dafür wurde nicht angekündigt. Wenn du EU-Kunden zu E7 berätst, muss das Teil des Gesprächs sein – jetzt, nicht erst nachdem die Verträge unterschrieben sind.

Was passiert mit E3- und E5-Kunden

Hier ist der Teil der alle betrifft, nicht nur E7-Käufer. Ab 1. Juli 2026 steigen die Listenpreise:

SKUAktuellNeu (1. Juli)Erhöhung
Microsoft 365 E3$36/User/Monat$39/User/Monat+$3 (8,3%)
Microsoft 365 E5$57/User/Monat$60/User/Monat+$3 (5,3%)

Microsoft rechtfertigt die Erhöhungen mit dem Hinzufügen von Intune-Capabilities zu beiden Tiers. E3 bekommt Intune Remote Help, Advanced Analytics und Plan 2. E5 bekommt zusätzlich Intune Endpoint Privilege Management, Enterprise Application Management, Cloud PKI und – bemerkenswert – Security Copilot.

Der letzte Punkt ist interessant. Dass Security Copilot an alle E5-Kunden kommt (nicht nur die, die für das Add-on zahlen), mildert den Schlag der $3-Erhöhung deutlich ab. Wenn du Security Copilot schon evaluiert hast, gibt dir die E5-Preiserhöhung es im Grunde für einen Bruchteil dessen, was das Standalone kosten würde.

Aber seien wir ehrlich: Eine $3/User/Monat-Erhöhung über Zehntausende von Seats läppert sich schnell. Für einen E5-Kunden mit 10.000 Seats sind das $360.000 pro Jahr an neuen Ausgaben. Budgetgespräche finden gerade statt.

Die Entwickler-Perspektive

Wenn du Entwickler im M365-Ökosystem bist, hier ist was E7 konkret freischaltet.

Agent 365 bedeutet, es wird Graph APIs und Management-Oberflächen für Agent Registration, Identity und Lifecycle geben. Wenn du Agents baust, musst du damit integrieren. Wenn du Governance-Tooling baust, ist das eine neue Oberfläche mit der du arbeiten kannst.

Da Copilot jetzt sowohl OpenAI- als auch Claude-Modelle verwendet, müssen deine Extensibility Points eventuell unterschiedliches Modellverhalten berücksichtigen. Declarative Agents und Plugins sollten in der Theorie modell-agnostisch sein, aber Testen gegen mehrere Modelle wird in der Praxis wichtiger.

Wenn Cowork reifer wird, wird es Wege geben, Solutions zu bauen die neben agentischer Ausführung arbeiten – Daten bereitstellen, Approvals handeln oder erweitern was Cowork durch Custom Actions kann. Das hab ich auf dem Radar.

Und wenn du Custom Agents mit dem M365 Agents SDK baust, werden Entra Agent IDs und das zugehörige Access Control Model zum Standardmuster für Agent-Authentifizierung und -Autorisierung. Mach dich jetzt damit vertraut.

Die Richtung ist ziemlich offensichtlich: Microsoft will überall governed, identity-aware Agent-Infrastruktur. Wenn du schon im M365-Dev-Space arbeitest, ist das wo die Kundengespräche hinlaufen.

Lizenzierungsempfehlung: wann E7 Sinn macht

Nicht jede Organisation braucht E7. So denke ich in Kundengesprächen darüber nach.

E7 macht am meisten Sinn wenn du schon auf E5 bist und für Copilot zahlst. Wenn du auch Entra Suite Capabilities willst und planst Agents im großen Stil zu deployen, geht die Bundle-Rechnung auf. Die Beschaffung auf eine SKU zu vereinfachen ist auch ein echtes Verkaufsargument – Compliance-Teams lieben weniger Einzelposten.

Wenn du Copilot nur für eine Teilmenge der User brauchst, ist E5 plus Add-ons wahrscheinlich gescheiter. E7 ist alles-oder-nichts pro lizenziertem User. Gleiches gilt wenn du für Agent 365 noch nicht bereit bist oder deine Entra-Anforderungen schon durch das abgedeckt sind, was in E5 mitkommt (Entra ID Plan 2). Manche Kunden wollen das AI-Investment einfach phasenweise angehen statt all-in.

E3 ist nach wie vor die richtige Wahl für Organisationen wo AI keine kurzfristige Priorität hat, wo Security von Third-Party-Tools abgedeckt wird, oder wo das Budget einfach nicht reicht.

Eine Sache die man beobachten sollte: Microsoft hat eine Geschichte, das Premium-Tier über die Zeit schrittweise attraktiver zu machen indem exklusiv dort Features hinzugefügt werden. E5 hat diesen Zyklus durchgemacht. E7 wird fast sicher dem gleichen Spielplan folgen. Features die heute “E7 only” sind, werden sich vervielfachen und Druck zum Upgrade erzeugen.

Was als Nächstes kommt

Die E7-Ankündigung zeigt dir wo Microsoft denkt, dass das alles hingeht. Copilots überall, Agents überall, und ein Governance-Layer der auf Identity und Security aufgeschraubt wird. Das ist die Wette.

Ob Kunden bei $99/User/Monat tatsächlich mitziehen – ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Aber die Lizenzstruktur steht, und die Preiserhöhungen am 1. Juli kommen so oder so. Wenn du Kunden in Sachen Lizenzstrategie berätst, ist jetzt der Zeitpunkt die Optionen durchzurechnen bevor die neuen Preise greifen.

Weiterlesen

Enjoyed this post? Let's connect on LinkedIn:

Follow on LinkedIn →